EINE BETRACHTUNG DREIER WELTANSCHAUUNGEN

 

I       Einleitung

Will man sich der Frage nähern, inwieweit eine Auseinandersetzung zwischen den unterschiedlichen Meinungen zum restaurativen Denken möglich sei, um eventuell einem überzeugten Mauerfetischisten auf dessen gedanklichen Irrtum hinzuweisen, welcher gern jeden in Deutschland lebenden Menschen als ost- oder west-deutsch zu klassifizieren sucht, muss man sich zunächst über diverse Zusammenhänge im klaren sein. Um zunächst eine Methodik, des grundlegenden Hinterfragen zu schaffen, muss zu Beginn eine Loslösung vom Fremdbild erfolgen, um sowohl korrespondierende als auch persönliche Identifikationsmechanismen zu bestimmen. Um die rudimentären Ansätze einer Hinterfragung des Ost-West-Prinzips zu erklären, kann zur Veranschaulichung auf ein Modell aus der  Mengenlehre zurückgegriffen werden.

 Drei Weltanschauungen - Perspektiven zum Verständnis ost-west-deutscher Denkweisen

Nimmt man nun an, dass in Deutschland drei Arten von Menschen leben, welche sich in ihrer Haltung im Sinne der Eigenwahrnehmung in der Form unterscheiden, sowohl individuell als eigenständige von ost-west-deutschen Vorstellungen und Projektionen unabhängige Personen zu sein, oder die sozialen und mentalen Strukturen ost-deutscher wiewohl auch west-deutscher Prägung leben zu wollen, ist leicht ersichtlich, dass keine reinen Schnittmengen hier existieren können, obwohl aus der jeweiligen Perspektive eben jeweils nur ein wirkliches Gegenüber gedacht werden kann. An sich leitet sich sehr wohl von Seiten der „Menschen mit Ost – Bezug“ ohne jeden Zweifel ab, dass es nur Ost – und West – Deutsche geben darf, ebenso für den „Menschen mit West – Bezug“. Diese Eindimensionalität beruht auf einer Sinnestäuschung, da beide von sich ausgehend, eine freie Denkweise nicht als Ursprung der Eigenwahrnehmung denken können oder wollen, in jedem Fall die Priorität einer Lokalisation des Individuums über der Geburtsort jedem anderen Selbstbild vorziehen.

Menschen ost- wie west-deutscher Prägung empfinden aufgrund ihres auf die Allgemeinheit übertragbaren Selbstbildes keinen Platz für jenen Individualismus, sie konstatieren anstelledessen entweder Mischtypen oder versuchen in dem jeweiligen Gegenüber Ansätze seiner historischen Herkunft abzuleiten, indem sie dessen Überzeugungen prüfen und werten. Dabei gelangen sie wie selbstverständlich zu einer bereits schon zuvor sicheren Erkenntnis, die sich notwenig aus dem Geburtsort des Betreffenden ableitet. Der Mischtyp – also ein Mensch, der sich Positionen und Wesensarten der „fremden Mentalität“ angeeignet haben soll – wird dabei auf seine rudimentär ost – deutsche oder west – deutsche Herkunft zurückgeführt. Nicht als originär betrachtete Charaktermomente werden ihm sukszessive als Anbiederung und Entfremdung vorgehalten und als Irrweg gedeutet – ein Verhalten, was spürbar sektiererische Züge trägt. Dabei ist es unerheblich, ob der Individualist zur mutmaßlich eigenen oder der anderen Gruppe gehört. Mag sein, dass der ein oder andere Ostwestalgiker sich aufgrund der Anpassung zunächst geschmeichelt fühlt, fällt er dennoch bald zurück in seine gedachte Ursprünglichkeit, welche dem Individualisten seine Andersartigkeit aufzeigen soll.

 

II       Unterschiedliche Formen und Gemeinsamkeiten in der Missionierung

 

Die Vorgehensweise ist daher auch dieselbe. Man fragt nach Gegenständen des täglichen Lebens, deren Ursprung noch in der Zeit des Kalten Krieges liegen, zielt dabei in absoluter Weise auf deren Akzeptanz bzw. Ablehnung ab und versucht Zustimmung oder Widersprüche zu wecken. Der andere bleibt dabei immer auf dessen Seite ( ost- oder west-deutsch ) gleichmit in einer argumentativ gehemmten Position. Er kann nicht frei von Ansprüchen und Projektionen seine Ausführungen darlegen, wird somit nach dem Kriterium des Ortes seiner Geburt sofort der jeweiligen Gruppe zugeordnet. Dass ein solchen Unterfangen gegen den ausdrücklichen Willen des betreffenden geschieht, spielt für des wahrhaft gläubigen Ost- bzw. West-Deutschen kaum eine Rolle, so er sich seiner Mission unbewusst verpflichetet fühlt, die Ungläubigen von der Richtigkeit seines Denkens zu überzeugen.

 Entfremdung und Entindividualisierung als Prinzip ost-west-deutscher Weltanschauung

Obgleich man die beiden anderen Gruppierungen aus Sicht der Individualisten als reaktionär einstufen muss, bleibt der offensichtlich unvermeidbare Schluss aus, diese beiden als eine Gruppe mit identischen Zielen zu erkennen. Zu weit mögen ihre Verhaltensmechanismen und Anschauungen auseinanderliegen, als dass man erkennte, welche gemeinsame Basis ihre Aussagen trägt. Die Außenwahrnehmung ist vielmehr allein ihrem Selbstverständnis das eigene Leben zu gestalten geschuldet, als es eine Aussage über die innere Beschaffenheit ihrer Ziele zuließe. Betonen doch beide – nur formal unabhängig voneinander – die Homogenität ost- und west-deutscher Mentalitäten und finden in der jeweiligen Parallelwelt ihr angestammtes zu Hause. Sie mögen erschrecken vor dem Lebensstil des anderen, doch erwarten sie weder entgegenkommen, noch wollen sie selbst von ihren Positionen auch nur geringfügig abweichen. Sie klagen an, um die eigene Haltung zu legitimieren, einen Status quo als gegenwärtig beschreiben zu können, der ihren Wünschen letztlich entspricht. Damit kann man sie als eine Gruppe bezeichnen, eine Menge, die der der Individualisten entgegensteht, diametral und absolut. Denn der Individualist ist meist apolitisch, unpolitisch, er setzt gänzlich andere Dinge als Prioritäten seines Lebens, er missioniert auch nicht, er denkt sein Handeln nicht unter der Maxime ihm vorgelebter Glaubenssätze, bildet sich Meinungen, die nicht mit ideologischen Dogmen zur Übereinstimmung gebracht werden müssen, sondern orientiert sich an seinen eigenen Erfahrungen, an äußeren Zwängen, welche die Notwenigkeit von Kompromissen beinhalten, an seelischen Bedürfnissen, die seiner eigenen Beschaffenheit entspringen, an Erkenntnissen, die ihm das Schicksal aufzeigt, variiert seine Prioritäten entsprechend der Möglichkeiten, die sein Verstand ihm lässt. Schließlich ist nur so ein wirklichen Lernen möglich, was ein grundsätzliches Infragestellen bedingt.

Die Menschen mit Ost-West-Bezug verbindet somit vor allem ihre gemeinsame Denkstruktur, unablässig eine ideologsiche Ordnung im heterogenen Deutschland zu finden, jedem Menschen ein O oder ein W anzuheften. Ihrer gemeinschaftlichen Bestrebung, diese Ordnung herzustellen, steht der Individualist hilflos gegenüber, da er sich weder über ihre instinktive Obsession, noch das damit einhergehende – oftmals von den betreffenden selbst verkannte oder nur abgeschwächt empfundene – Selbstverständnis der eigenen Weltanschauung im klaren ist. Der missionierende Eifer wird somit leicht als ost-west-deutscher Individualismus missverstanden, da er oberflächlich zunächst als etwas neues und bereicherndes – eine weitere Meinung innerhalb einer vielfältigen Gesellschaft – gedeutet werden kann.

Während der Individualist seine Entscheidungen unabhängig von ihrem nach ideologischen Maßstäben einzuschätzenden Auswirkungen und deren darin liegenden Symbolkraft treffen wird, rühmt der Ostwestalgiker stets die durch neoliberale und kommunistische Strategien geschaffenen gesellschaftlichen Gegenstände einer öffentlichen Ordnung, um sein Gegenüber von deren positiver Wirkung zu überzeugen. Die Eigenwahrnehmung in einer feindlichen Umwelt ist hier ein wesentlicher Ausgangspunkt ostalgischer Argumentation, während der westalgischen das Gefühl der Störung eines schon 40 Jahre dauernden Prozesses zu Grunde liegt, welche ohne die Vereinigung im Jahr 1990 nicht eingetreten wäre.

Man kann demnach leicht einem Irrtum erliegen, welche besagt, dass beide – der Ostalgiker und der Westalgiker – einander wesensfremd seien, da sie von unterschiedlichen Standpunkten mit auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Argumenten stritten. Obwohl in letzter Konsequenz die Eigeninterpretation als Opfer einer nichtgewollten Entwicklung jeweils übereinstimmt, mag man sich hierüber nicht vollends im klaren sein und eher dem Zweifel an einer gemeinsamen Haltung nachgeben.

Wenden wir uns daher zunächst der Unterschiede beider Phänomene zu. Hierbei ist es wichtig, die Lebensumstände zu erfassen, welche die jeweiligen Personen prägten. Da der Ostalgiker in einem totalitären Staat aufwuchs, müssen an ihn zunächst andere Maßstäbe der Diskussionskultur gestellt werden. Seiner Haltung zum SED-Staat mag er sich zudem nicht vollständig Rechenschaft geben, sein Misstrauen gegenüber dem anderen speist sich aus der inneren Verpflichtung einem Denken gegenüber, welches aus einer anderen Zeit stammt und ein grundsätzliches Misstrauen dem anderen gegenüber bedingt.1 In der von Ressentiments und vom Staat vorgefassten Denkschemata geprägten Umwelt war es für den einzelnen nach 40 Jahren Diktatur eine Frage der Vernunft, sich dem System und den Kategorien des Denkens in der Diktatur anzupassen oder aber prinzipiell nicht nur zu widerstehen, sondern eine andere Ebene des Verstandes als Ausgangspunkt seiner Überlegungen anzunehmen. Wer sich den Kategorien des Denkens im Sinne dieser Diktatur indes verschrieb, musste sich zwangsläufig nach Ende derselben verlassen und enttäuscht sehen, was sich heute in völliger Verklärung äußert.

Dem gegenüber versteht sich der Westalgiker als Verteter der Demokratie. Die Folgen einer wirtschaftlichen Rezession können für ihn nur Teil des Vereinigungsvorgangs sein, welcher sich entsprechend der medialen Darstellung von einer Prozess– langsam in eine Zustandsgröße wandelt, ein status quo, vergleichbar dem des Kalten Krieges. Er ist somit weder abgeschlossen, noch besteht eine Hoffnung darauf. Aus einer solchen Empfindung leitet der Westalgiker eine negative Haltung zur Wiedervereinung ab, die nur durch Insistieren auf seine Herkunft als überlegener Demokrat gemildert werden kann. Dabei ist er weder überlegen, noch wirklich Demokrat, was sein Selbstverständnis ad absurdum führt, den tatsächlichen Demokraten, welcher möglicherweise sogar in der gleichen Straße aufgewachsen ist, bei jedem Ostalgiker gleichsam diskreditiert.

Denn auch der Westalgiker erlaubt sich eine Deutungshoheit bezüglich des Lebens seiner Mitmenschen, welche von ihm pauschalisiert und hernach katalogisiert werden, nach Herkunft und daraus wiederum von ihm abgeleiteter Sozialisierung. Er wird keine Unterschiede zwischen einem Rostocker und einem Dresdner erlauben, wohl aber differenziert über Oldenburger und Bremer berichten, die er dennoch nicht als reine Individualisten beschreiben kann, da er zu einer derartigen Grundhaltung keinen Zugang besitzt.

Hieraus wird auch schnell ersichtlich, dass aufgrund einer voneinander abweichenden Anatomie von Ostalgie und Westalgie die offenbaren Gemeinsamkeiten beider Strömungen verdeckt werden können, da sie sich aus unterschiedlichen historischen Bedingungen ableiten, unwesentlicher ist dabei, dass sie sich gewissermaßen diesem Umstand geschuldet, auch differierender Herangehensweisen bedienen.

Dennoch sind die Übereinstimmungen - wie auch bereits angedeutet wurde - frappierend. Der Ostwestalgiker sucht seine Einstellungen in Einklang mit den Lebenserfahrungen im geteilten Deutschland zu erklären und in der Weise zu deuten, dass er aus heutiger Perspektive den Erlebnissen aus dieser Zeit wichtige Impulse verdankt, die jene in ihrer Bedeutung überdauern, welche erst hernach einen Einfluss auf die Persönlichkeit ausübten. Die Entfaltung als eigenständiges Wesen wird als Konsequenz aus der nur im geteilten Deutschland möglichen Prägung interpretiert und auf das Gegenüber faktisch als Erwartungshaltung übertragen, welcher der Individualist entsprechen soll. Hier zeigt sich vor allem der missionarische Charakter der Ostwestalgiker, da sie die Weltanschauung des Individualisten meist als naiv und apolitisch empfinden, ihr Bedürfnis nach Selbstbestätigung durch diesen somit nicht vollständig erfüllt und zur Missionierung angeregt wird. Im Gespräch versuchen Ostwestalgiker also weniger die tiefschürfende Analyse sozialer Systeme als Gegenstand ihrer Argumentation zu betrachten, als vielmehr die sozialen Errungenschaften zu preisen, welche folgerichtig aus kommunistischen oder neoliberalen Strukturen hervorgingen. Der Westalgiker wird auf die Möglichkeiten des Individuums verweisen, welche in einer freien Gesellschaft bestehen, soziale Zwänge ( wie Arbeitslosigkeit, Schicksalsschläge, finanzielle Notlagen ) ausblenden, während der Ostalgiker die Gleichheit im Sinne der gemeinsamen Armut als schöpferischen Ausgangspunkt produktiven Lebens als utopischen Traum glorifizieren wird, dabei das Streben des einzelnen und sein Bedürfnis nach individueller Entfaltung als Irrweg geiseln. Das Vokabular mag sich dabei in den Begriffen selbst, aber nicht in ihrer Bestimmtheit unterscheiden: stets wiederkehrende Verwendung richtungsgebender sprachlicher Floskeln, vortragsartige Dialogsequenzen, Rhetorik mit überbordendem Symbolcharakter, untermalt mit einer hysterischen Gelassenheit, welche eine Zustimmung bereits voraussetzt, die über das Wohlwollen deutlich hinausgeht2, was dem Außenstehenden als schonungsloser Sophismus erscheinen muss3. Beispielhaft sind hierbei die Vokabel "arm" für traurige oder tragische Momente des Lebens ebenso der Verweis auf ein "Jammern auf hohem Niveau" in Bezug auf kurze Erwähnungen aus dem täglichen Leben, Bemerkungen zu Aktienkursen von global agierenden Unternehmen als Indiz auf deren volkswirtschaftliche Bedeutung aus westalgischer Sicht. Das Verweigern markwirtschaftlich notwendiger Regularien und erst durch die Wiedervereinigung erzielbarer Erfolge im gesellschaftlichen Bereich sowie eine Verwendung antik wirkendender Ausdrücke, welche kaum dem Sprachgefühl des 21. Jh.s entsprechen, finden sich dementsprechend als Pendant der ostalgischen Persektive. Tatsächlich nötigt eine solche Sprache den Gesprächspartner zur Reaktion. Eine Frage, welche mit den Worten: "Findest Du nicht auch, dass..." eingeleitet wird, setzt ein klares oder zumindest lapidares Ja voraus, ein Ansatzpunkt, welcher weiterere Missionierung zur Folge hat. Das Übernehmen von Flokeln aus Presse und Fernsehen dient desweiteren vor allem zur Untermauerung der subjektiven und damit nur mutmaßlichen Richtigkeit der eigenen Thesen.

 

III       Ein kaum zufriedenstellendes Fazit

 

Die beiden denkbaren Folgen einer solchen Missionierung können nun entweder der Erfolg beim ehemalig freidenkenden Menschen oder aber dessen verstandesbedingte Erkenntnis der gemeinsamen Haltung von Ostalgikern und Westalgikern sein. Letzteres kann zunächst zu Irritationen führen, da die vermeindlich homogenere Masse von eben den Verweigerern ideologischer Tendenzen gebildet wird, während sich unter den Verfechtern der historischen Anschauungen Menschen mit weit auseinanderliegenden Haltungen finden, deren harmonisches Vermittlungsbedürnis und deren Fähigkeit zur apolitischen Beurteilung ihres Umfeldes oder sozialer Gegebenheiten zu gering ausgeprägt ist, um von ihrer eigenen Weltsicht zu abstrahieren. Hieraus kann sich eine Irritation ergeben, welche, wie oben bereits beschrieben, eine Unterstellung idividueller Ost-West-Prägung zur Folge haben mag, andererseits kann auch durch ständiges Missionieren eine Abstumpfung gegenüber dem Ostwestalgiker erfolgen, da seine Sprache ihren eintönigen Charakter immer stärker zur Geltung kommen lässt, je länger die Missionierung andauert. Letztlich bleibt dem Individualisten nur die Erkenntnis, dass er sich in einer sozialen Zwickmühle befindet, welche durch kein Argument ausgeräumt werden kann, er sich in permanenter Opposition befindet.

 zwei Weltanschauungen als logische Folge - Polarisierung aus der Perspektive des Individualisten

Natürlich sind dies nur modellhafte Idealzustände, welche in der Realität kaum in dieser Reinform existieren können, allerdings wohl einige Spiegelredakteure eine eindeutig westalgisch-reaktionäre und Mitglieder der kommunistischen Partei4 in gleicher Weise eindeutig ostalgisch-reaktionäre Positionen vertreten, während gerade in diesem Moment geborene zukünftige Bürger dieses Landes noch frei von ideologischen Vorbehalten ohne Ost-West-Präferenz noch ausschließlich individuelle Wesen sind, deren weitere Prägung vom sozialen Umfeld gestaltet wird und somit diversen Einflüssen unterliegt.

Zur Veranschaulichung dieser drei reinen Idealzustände – Individualist, Ostalgiker, Westalgiker – soll mittels eines Diagramms versucht werden, die Unterschiedlichkeit der Persönlichkeiten vorzustellen, welches alle vier Zustände gegeneinander abbildet ( sowohl die Neigung zur Anpassung als auch die Zuordnung zu ost-west-deutschem Selbstverständnis ) in Form eines zweidimensionalen karthesischen Diagramms ohne sich hierbei um theoretische Größen oder Einheiten zu bemühen.

In diesem System lassen sich die Schwierigkeiten erkennen, welche die drei beschriebenen Gruppen miteinander haben. Stagnierendes Denken fasst kein Selbstverständnis ohne ost – west – deutsches Selbstbild, daher kann die untere Darstellung von dieser Position aus nicht als Ausgangspunkt einer Diskussion respektiert werden. Der Individualist erkennt hierin indes eine stärkere Nähe zwischen den beiden strukturkonservativen Positionen. Dort fragt man nicht nach der spezifischen Priorität, sondern setzt einzig das ost – west – deutsche Selbstverständnis im Sinne der historischen Abstammung als gegebene Größe, welche nicht mit der Geisteshaltung auf gleicher Ebene korrespondiert.

 

Diagrammm zur Veranschaulichung

 ______________________________________________

 

1  vgl. hierzu: Hannah Arendt: „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“, Piper, München, Zürich, 9. Aufl., 2003, S. 892.: „Wenn jeder von einer ständig wechselnden Parteilinie abweichende Gedanke verdächtig ist, wenn das, was am Vortage noch durchaus orthodox war, heute Grund zur Verhaftung werden kann, so besagt dies von einem Polizeistandpunkt aus, dass eigentlich alle Personen ständig unter Polizeiaufsicht gestellt werden müssen. Außerdem muss vom Standpunkt totaler Herrschaft allein die Tatsache, dass menschliche Wesen denken können, einen Verdacht erregen, den kein noch so vorbildliches Verhalten je zerstören kann. Denn die Fähigkeit zu denken ist unauflöslich mit der Fähigkeit, seine Meinung zu ändern, verbunden.

     Dieser universalen Verdächtigkeit entspricht ein nicht weniger universales Misstrauen, das mehr als alles andere alle menschlichen Beziehungen in der totalitären Gesellschaft unterminiert. Das professionelle Misstrauen des Polizeiagenten ist allgemeines gesellschaftliches Gesetz geworden. Die Verzweiflung des Polizeiagenten, dessen Tüchtigkeit immer wieder daran scheitert, dass niemand einem anderen ins Herz oder in den Kopf blicken kann – und Folter ist lediglich der verzweifelte und immer scheiternde Versuch, Unmögliches zu erreichen –, hat sich nun aller Mitglieder der Gesellschaft bemächtigt, von denen jeder in äußerster Gefahr lebt, ohne die Möglichkeit zu haben, sich nach allgemeinen Interessen bestimmter Menschengruppen oder nach gemeinsamen Wertskalen auszurichten, die alle, die sich nicht ausdrücklich gegen die Gesellschaft stellen, verbinden.“

2 Man unterstellt natürlich eine dem ideologischen Denken des Ostwestalgikers ähnlich gestaltete Grundeinstellung, da eine ideologiefreie Haltung von Seiten des Mauerfetischsiten nicht gedacht werden kann, welche dennoch von Natur aus – der Natur des unbedingten Festhaltens – skeptisch ist. Daher ist ein prinzipielles Wohlwollen eine strategisch wesentliche Komponente der Missionierung. Zum Gebrauch typischer rhetorischer Mittel können unteranderem Ignoratio elenchi und Tu-quoque-Argument genannt werden.

·        *  Tu quoque

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie:

Als Tu-quoque-Argument (lateinisch: auch Du) werden zwei unterschiedliche Argumentationsweisen bezeichnet:

1.        Die Rechtfertigung eines Beschuldigten, dass das Vergehen, das ihm angelastet wird, vom Beschuldigenden ebenfalls begangen oder als rechtens betrachtet wurde. Da es sich an die diskutierenden Personen richtet, ist es mit dem Argumentum ad hominem verwandt. Beispiele:
„Erzähl mir nicht, dass ich mit dem Rauchen aufhören soll, du qualmst doch selbst wie ein Schlot!“
„Sag mir nicht, dass Du Zweifel an unserem Wahlprogramm hast; wer hat denn letztes Mal so freudig zugestimmt?“
Bei dem Tu quoque überschneiden sich zwei Bereiche; einmal die Richtigkeit eines Verhaltens und dann die der Berechtigung, einem anderen Vorwürfe wegen eines Verhaltens machen zu können.
Das Tu quoque ist bezüglich der Richtigkeit eines Verhaltens ein logischer Fehlschluss. Das Verhalten eines Menschen sagt nichts über die Wahrheit oder Unwahrheit der von ihm vertretenden These aus; ebenso ist es nicht ungewöhnlich, dass jemand seine Meinung geändert hat. Die Argumentationsfigur eignet sich jedoch hervorragend dazu, auf das Fehlen einer moralischen Berechtigung hinzuweisen. Je stärker der Beschuldigende sich als moralisch/ethisch überlegen präsentiert, desto wirkungsvoller ist ein Tu quoque.

2.        Synonym auch das Selbstanwendungsargument, nach welchem Gesetze für Menschen so gestaltet werden sollen, dass sie auch auf einen selbst Anwendung finden. Dies geht zurück auf den kategorischen Imperativ von Immanuel Kant.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Tu_quoque

·        *  Ignoratio elenchi

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Ignoratio elenchi (lateinisch-griechisch, wörtlich: Das Ignorieren der Gegenbeweise) bezeichnet in der philosophischen Terminologie den logischen Fehler, der darin besteht, dass man in einer Beweisführung eine andere Konklusion beweist, als die ursprünglich in Frage stehende. Damit hat man also einen gültigen Beweis, aber für eine irrelevante Behauptung.

Diesen Terminus hat Aristoteles geprägt in seinem Organon, der Sammlung seiner logischen Schriften, z. B. im letzten Band des Organon, den Sophistischen Widerlegungen.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Ignoratio_elenchi

3 über den Sophismus bei wikipedia:

Sophismus

Der Sophismus (Mz. Sophismen) oder das Sophisma (Mz. Sophismata, griechisch: sophízesthai = „ausklügeln“, „aussinnen“ und: sophós = „geschickt“, „klug“) ist ein logischer Scheinbeweis, ein mit den Mitteln der Logik bewusst herbeigeführter Trugschluss. Derartige Sophismen zu ersinnen war im 5. Jahrhundert v. Chr. ein bevorzugtes Stilmittel der Sophisten, einer Gruppe altgriechischer Rhetoriker und Weisheitslehrer, mit deren Hilfe sie die von ihnen postulierte Subjektivität der menschlichen Erkenntnis zu untermauern suchten.

[...]

Sophismus des Euathlos

Der Sophismus des Euathlos ist ein bekanntes Paradoxon der altgriechischen Philosophie.

Euathlos ließ sich von Protagoras von Abdera (ca. 485–415 vor Chr.) ausbilden, dem berühmten Rhetoriker und herausragenden Lehrer der Sophistik. Sie vereinbarten, dass Euathlos seine Ausbildung erst dann bezahlen müsse, wenn er seinen ersten Gerichtsprozess gewonnen habe. Nun nahm Euathlos sich aber einen anderen Beruf, führte deshalb keine Prozesse, konnte folglich auch keinen gewinnen und wollte daher für seine Ausbildung nicht bezahlen. Daraufhin drohte Protagoras ihm mit Klage und argumentierte wie folgt: „Euathlos muss auf jeden Fall bezahlen: Entweder laut unserer Vereinbarung, weil er diesen Prozess gewinnt, oder aber, weil ihn das Gericht dazu verurteilt.“ Euathlos, von Protagoras gut ausgebildeter Sophist, hielt jedoch dagegen: „Ich muss auf gar keinen Fall bezahlen, denn entweder verliere ich den Prozess, dann war meine Ausbildung schlecht und es gilt weiter die Vereinbarung, oder aber das Gericht entscheidet zu meinen Gunsten.“

Aus Sicht der traditionellen Logik stellt dieser Sophismus nur ein scheinbares Paradoxon dar, weil in ihm der sogenannte Identitätssatz verletzt wird. Euathlos besitzt in diesem Zusammenhang nicht eine, sondern zwei verschiedene funktionale Identitäten: Zum einen ist er Anwalt in eigener Sache, zum anderen ist er Beklagter. Ob er zahlen muss oder nicht, hängt daher von der subjektiven Betrachtungsweise ab. Für die Anhänger der Sophisten ist dieses Beispiel daher von wunderbarer Eleganz. Die Verfechter traditioneller Logik stellen diesem Sophismus allerdings das klassische Beispiel des unauflösbaren eindeutigen Paradoxon gegenüber: „Ein Kreter behauptet, dass alle Kreter lügen...“

[...]

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Sophismus_%28Rhetorik%29 

4 Am Beispiel des kommunistischen Schauspielers Peter Sodann kann man exemplarisch die Identität von Ideologie und persönlicher Meinung ablesen. Die Tratition des Fernsehens in politischen Diskussionen auch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens teilnehmen zu lassen, scheiterte nur allzu oft an der sturen Unvernunft Sodanns. Seine Sprache vermittelt in solchen Momenten mehr als das Gefühl, sondern vielmehr die Gewissheit, dass alle seine Worte nicht reichen mögen, einer Unbedingtheit Ausdruck zu verleihen, welche seine Haltung kennzeichnet. Vgl. hierzu: http://www.presseportal.de/text/story.htx?nr=1080583&firmaid=39937. Zur kommunistischen Sprache auch : http://textfeld.ac.at/pdf/495.pdf.

 

 

Gratis Homepage erstellen bei Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!