NORDEN VS. SÜDEN - EIN ANDERES BILD

 

Vielleicht sollte man entgegen jenem Trend unter Soziologen und Wirtschaftswissenschaftlern, welche von Dozenten aus der Zeit des Kalten Krieges geprägt sind, einige Fakten beachten, welche ein gänzlich anderes Bild auf Deutschland werfen. Weitestgehend haben unsere Nachwuchsökonomen und Politikwissenschaftler zum Zeitpunkt ihrer Immatrikulation nur eine grundlegende politische Meinung, sei es liberal, alternativ, konservativ oder sozialdemokratisch, egal: Man bekommt Statistiken vorgesetzt und Texte aus Veröffentlichungen werden analysiert, aber die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Auswertungsmethode wird nicht gestellt. So entwickeln sie sich zu Beamten der Teilung, die wohl erst ihre Ost - West - Perspektive aufgäben, wenn man ihnen erklärte, dass diese von einer Masse infragegestellt werde. Nur weiß auch der Dozent, dass dies ein zu revolutionärer Gedanke ist, als dass er urplötzlich von einer kleinen Gruppe oder einem einzelnen Menschen als Postulat in die Welt geschrien werden kann. Man darf nicht, und somit fügt sich die intellektuelle Nachwuchsschicht gerne, ist sie doch nicht imstande eigenmächtig zu denken, hat man sie doch en passant zu Ostwestalgikern erzogen.

Hierzu sollen nun fünf ausgewählte Faktoren einen Gegenbeweis zur Ost - West - These liefern. Es geht nicht darum, ein Land in ein gänzlich anderes Licht zu rücken, sondern ist der Frage nachzugehen, ob es sinnvoll oder glaubwürdig ist, die doppelte Sichtweise auf Deutschland beizubehalten oder ob nicht eine andere moderne Perspektive die 1990er Betrachtung ablösen muss:

 

I       Privatinsolvenzen

 

Die Zahl der überschuldeten Haushalte in Deutschland folgt keineswegs einem unbeweglichen, ideologischen Ost - West - Schema. Ganz im Gegenteil zeigt sich ein Nord - Süd - Gefälle, wie folgende Graphik belegt:

 

Privatinsolvenzen Deutschland 2004 ( Bundesländer / Kreise )

Quelle: http://www.spiegel.de/img/0,1020,398208,00.gif

 

 

 

II       Bevölkerungsdichte

 

Ebenso wird oftmals eine sehr einseitige Betrachtung der demographischen Situation Deutschlands vorgenommen, welche die feineren Strukturen ausblendet, hingegen eine reine Ost-West-Betrachtung zu Grunde legt. Die nachfolgende Graphik belegt indes auch in diesem Zusammenhang ebenso, dass eine detailierte Auseinandersetzung mit den Zahlen des Statistischen Bundeamtes notwendig wäre. Wiederum vielsagend ist, dass diese Karte keiner deutschen, sondern einer österreichischen Seite entstammt, bei wikipedia Deutschland findet sich eine andere,selbige aber farblich so homogen gestaltet wurde, dass einzig großstädtische Ballungsräume deutlich hervortreten.

 

Bevölkerungsdichte Deutschland - Bundesländer und Landkreise

 

Quelle: www.infopro.at/tupec/download/Statistik_BL.pdf

 

 

III       Arbeitslosenstatistik

 

Die Bundesagentur für Arbeit wertet bis zum heutigen Tag die Zahl der Arbeitslosen nach einem starren Prinzip aus, welches sich auf eine klare Ost - West - Denkweise stützt. Man beschreibt dort seitenweise die Unterschiede zwischen Ost und West und beschwört sie damit jeden Monat aufs neue herauf, um angehende Sozialwissenschaftler gar nicht erst auf die Idee kommen zu lassen, dass es deutschlandweit möglicherweise mehrere arbeitsmarktspezifische Regionen gibt. Aber urteilen Sie selbst anhand der folgenden Tabelle, welche vier Plateaus mit jeweils unterschiedlicher Arbeitsmarktlage zeigt:

 

Arbeitslosenquote November 2005 ausgewählter Bundesländer

( BaWü = Baden - Württemberg; NS = Niedersachsen; HH = Hamburg; TH = Thüringen; S. - Anhalt = Sachsen - Anhalt; B = Berlin; MV = Mecklenburg - Vorpommern )

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Monatsbericht 11 / 2005   (  Die vollständige Tabelle finden Sie hier.  )

 

 

IV       Bildungswesen

 

Zur Veranschaulichung der Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern sollen hier im folgenden zwei Tabellen weitere Argumente und Fakten zum Beleg der Eingangsthese liefern.

 

 Bildungsmonitor Bundesländer 

 

Diese Daten lassen sich indes auf finanzpolitische Entscheidungen zurückführen, welche nicht zuletzt einer anderen Denkweise entspringen und in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext eine Typologie des Südens erkennen lassen.

 

Bildungsmonitor Bundesländer / "Was der Süden besser macht" 

Quelle: www.iwkoeln.de ( Pressemitteilung Institut der Deutschen Wirtschaft Köln, Nr. 12, 21. März 2006 )


 

 

 

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