URSACHEN UND WIRKUNG - SELBSTERFÜLLENDE PROPHEZEIUNG

 

I       Ursachen der Ostwestalgie

 

Bevor ich nun auf die Ursprünge der Ostwestalgie eingehe, noch einige wenige Worte zum Verständnis der Begriffe selbst. Wesentlicher Bestandteil der Ost-West-Propaganda sind die beiden Schimpfwörter, welche die Klischeekonstruktionen ins sich verkörpern, das O-Wort und das W-Wort. Sie sind seit den 90ern gebräuchlich und werden heute inflationär gebraucht, obgleich das W-Wort bereits schon in den 80ern von den damaligen West-Berlinern als abwertende Floskel im Bezug auf die Bevölkerung des schon damals demokratisch regierten Deutschlands verwendet wurde. Das O-Wort wurde später als Pendant von der Bildzeitung dazuerfunden. Ihr Inhalt wird von einer Klischeevorstellung geleitet, ihre Defintion hat sie selbst längst zu Zeugnissen deutschem Vorurteilsfetischismus gemacht. Der "Ostmensch" ist dümmlich, der "Westmensch" arrogant. Damit ist jeder, der sich mit diesen Attributen schmückt, nicht allein geographisch zugeordnet, da die Bilder, die man mit den Begriffen verbindet, einen emotional höheren Stellenwert besitzen, als es aus dem regionalen Ursprung der Wörter heraus zu verstehen wäre, sie sind faktisch eine Kampfansage an das vermeintliche Gegenüber, somit bleibt derjenige hinter seiner Regionalität zurück in einer selbstgeschaffenen Schublade, die seinem Selbstverständnis einen tieferen Stempel aufdrückt, als es eine Aussage über ihn als Person mit unverwechselbaren Charaktereigenschaften sein kann. Damit ist die Formel "O**i" oder "W***i" ein Akt des Protestes, schwingen doch hierin genügend Vorstellungen und Bilder mit, die im Zusammenspiel mit der Person, die sich hierüber definiert, in einem Wechseldiskurs stehen, man somit betreffend der Persönlichkeit in einem Abwägen der Charaktermerkmale des einzelnen mit diesen Attributen zu einer anderen Aussage über jenen Menschen gelangt als dies überhaupt denkbar wäre, würde man auf diese selbstsüchtige Facette verzichten, welches das Bild eines Menschen nur verzerrt, nicht offenlegt.

Ich möchte eines deshalb nochmals mit aller Deutlichkeit klarstellen, damit es auch der letzte begreift: Ich schäme mich für nichts, schon gar nicht dafür, etwas zu sein, was mir von außen unterstellt wird, sondern definiere mich eben nicht über dieser Floskel, die letztlich nichts über mich als Mensch aussagt, was ich in mir selbst empfinde, was ich denke und letztlich als Individuum fühle, unabhängig von Herkunft und Sozialisierung, wie ich bereits weiter oben darstellte.

Ich weiß auch, dass es für viele schwer sein mag, dies zu verstehen, weil sie sich in dieser Nische eingenistet haben oder um ein Bild aus einem bekannten Roman zu verwenden, sich tief im Kaninchenfell gemütlich gemacht haben. Jeder sollte sich aber immer auch über die Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdbild im Klaren sein, um über seine eigene Lebenslage Rechenschaft abgeben zu können. Natürlich ist nicht jeder in der Lage, dies offen zu bekennen. Aber dennoch sollte sich jeder dessen gewiss sein, was für sie oder ihn in der Zukunft wichtig sein wird, nämlich, dass in 20 Jahren Dtl. entweder noch geteilt sein wird oder sich mental wiedervereingt hat. Die Medien wollen die Teilung, das steht außer Zweifel. Doch deshalb muss ich diese Ansicht nicht ebenso vertreten, sondern darüber nachdenken. Ich möchte mir selbst einmal darüber Rechenschaft darüber abgeben können, wo ich zu Anfang des 21. Jh.s stand, ob ich mit dem Ostwestalgiestrom schwamm oder nicht. Dies sollte aber meiner bescheidenen Auffassung nach für jede und jeden gelten.

Würde man nun einmal die Zeit messen und die gedruckten Seiten zählen, welche die deutschen Medien darauf verwenden, die ostwestdeutschen Unterschiede und Zwistigkeiten zu feiern, würde man wahrscheinlich über die Datenmengen, welche eine immerwiederkehrende Information in Dauerschleife enthalten, erschocken zusammenzucken, kopfschüttelnd sich die Frage stellen, was wohl mit all den leeren Seiten und den nicht ausgefüllten Fernsehminuten anstelledessen geschehen könnte.

Diesbezüglich muss auf eine andere Unart der Medien hingewiesen werden. Bei so gut wie jeder x-beliebigen Gelegenheit wird hier die Möglichkeit genutzt, wenn es machbar erscheint, das Wort "im Osten" zu verwenden. Man vereinfacht nicht nur, man selektiert. Viel schlimmer als das, ist die Penetrierung der Bevölkerung mit dieser Floskel, die zum Synonym des wirtschaftlichen Abschwungs geworden ist. Es geht dabei um ein Ritual, an dieses sich alle Medien ausnahmslos halten, als seien sie zu Propagandazwecken gleichgeschaltet worden. "Im Osten" ist dabei auch eine interessante sprachlich ausdrucksvolle Formel, die Assoziationen verschiedenster, grundweg negativ besetzter Empfindungen weckt. "Im Schrank", "im Loch" oder auch "immanent", "immobil": "im Osten". Wenn einer Sache die Präposition "im" vorangestellt wird, so wird oft auch gleichmit ein Bereich definiert, eine Grenze, als befände es sich von hohen Mauern umschlossen, eingefasst, darin enthalten, gleichmit niedrig, sind doch  diese Dinge keine Subjekte, sondern bloße Gegenstände dessen, worin sie sich befinden.

Sie glauben mir nicht? Ihr gutes Recht, zweifeln Sie! Doch wie erklären Sie, dass im Forum der ARD-Tagesschau Beträge vom antisemitischen Dummfug bis zum kommunistischen Manifest Platz finden, so dies doch aufgrund der Forumsregeln nicht als statthaft gilt, gleichzeitig meine Aussagen, welche auf dem Boden meiner demokratischen Überzeugung - und wohl demokratischer als es den innerdeutschen Rassisten bei der ARD gefällt - stehend, nicht deutlicher ausfielen, als sie es auf dieser Website tun, nicht freigeschaltet wurden? Ähnlich erging es mir im AOL-Pinboard.

Dazu ein paar Beipiele: Edmund Stoiber sagte nach der Landtagswahl 2002 in Sachsen-Anhalt: "Der Osten hat gewählt." Und meinte damit, aus dem für FDP und Union erreichten Erfolg in einem Bundesland die Stimmung für die Bundestagswahl nun in fünf weiteren in seine Richtung forcieren zu können. Dies indes beruht nun letztlich auf dem Irrglauben, hier eine mentale Grundstimmung erzeugen zu können, die einem politisch gewollten Gemeinschaftsgefühl entspringen sollte. Ein gemeinschaftlich und kohärent denkender "Osten" ist für unsere handelten Politiker einfacher zu gestalten, somit eine einzige Unbekannte in einem Spiel um Zahlen und Mehrheiten. Eigenständigkeit in der Denkweise verschiedener Bundesländer, deren Selbst man entweder nicht zulassen oder unterdrücken will, ist eine Gefahr für die Berechenbarkeit und ein Zeichen regionaler Unbeugsamkeit, die in einer Verknüpfung zu einer einzigen Region auf weniger gemeinsame Punkte reduziert und somit überschaubarer wird. Es unterstreicht, wie schon oben zitierte Aussage des bayrischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber die Selbstüberschätzung der Medien wie auch der Politik, wobei erstere sich keinem plebizitären Korrektiv ausgesetzt sehen und daher noch klarer die innere Einheit deformieren und zerreden.

Edmund Stoibers Aussagen über das Wahlverhalten der sogenannten "Ost - Deutschen" im Sommer 2005 beinhalten wiederum die gleichen symptomatischen Irrtümer, welche alsbald von den Medien aufgegriffen und dem Mann zur Last gelegt wurden; nicht, weil er Deutschalnd damit wieder auf die alte Narbe der früheren Grenze reduziert hat, sondern vielmehr, weil es in das Ost - West - Konzept eben jener Medien passt, sich in einem ironischen Ton seiner Meinung ( ?? ) "entgegenzustellen" und somit eine unwesentliche Aussage zu einem Politikum werden zu lassen. Darüber hinaus wird hier klar, dass das Thema Ost - West ein Instrumentarium geworden ist, welches Politiker bedienen können, um damit die Medien in marionettenhafter Weise für ihre eigenen Ziele zu verwenden. denn Stoiber dürfe die Resonanz auf seine Worte nicht bloß klar gewesen sein, sondern hat er diese als zwingende Konsequenz aus der Verhaltenslogik der Journalisten in sein Reden bereits einkalkuliert.

Wenn man desweiteren in Umfragen wissen will, ob "Ost-Deutsche zu viel klagen und West-Deutsche zu arrogant seien, dann unterschlägt man dort die Frage nach dem Sinn eben dieser, absichtlich, damit der Bürger nicht anfängt nachzudenken, über die Macht der Medien und seine gesellschaftspolitische Ohnmacht.

Prinzipiell werden Umfragen in Dtl. 15 Jahre nach der Gründung 1990 immer noch nach Ost und West getrennt realisiert und sind keine Meinungs-, maximal Wahlunterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern im Netz abrufbar.

Oder schauen Sie selbst unter Statistisches Bundesamt, um feststellen zu müssen, dass die Bundesregierung allen Ernstes die Ausstattung der Privathaushalte mit Informations- und Kommunikationstechnologie nach Ost und West getrennt angibt und damit dem oben beschriebenen Eindruck eine hochoffizielle Note verleiht, zumal die Form der Präsentation der Zahlen, die in einem nicht überblickbaren Ausmaß dargeboten werden, gegenüber dem tatsächlich unbedeutenden Hintergrund einen Eindruck vermittelt, welcher sich durch die marginalen Unterschiede der Daten bei genauer Betrachtung selbst widerlegt, indes sich kaum ein Leser die Mühe einer Analyse machen wird. Ich muss nicht erwähnen, dass durch diese Einteilung - selbst wenn sie gegensätzliche Zahlen lieferte, was nicht einmal gegeben ist - noch kein Hinweis auf eine bundeslandspezifische Betrachtung hieraus hervorginge, somit außer der Gestaltung einer weiteren Ost-West-Statistik keine Aussage hiermit getroffen wurde.

Werfen wir nun einen Blick auf unsere Medien. Sogar in der Anmoderation zu einem Beitrag über Autobahnraser wurde vom RTL - Sprecher Markus Lanz mit dem Satz "Wir gehen in den Osten." darauf verwiesen, dass der folgende Clip des Schmalspurboulevardmagazins "Explosiv" nun nicht auf dem Gebiet des Teils Dtl.s gedreht wurde, welcher als solcher von eben diesem Moderator als normativer Ausgangspunkt der Betrachtung über tagesaktuelle Geschehnisse gelte, sondern in jenem Restteil, dessen Zugehörigkeit zu Dtl. damit wieder aufs neue infragegestellt wird.

So dehnen sich diese sprachlichen Spielereien bis auf alltägliche Nebensächlichkeiten wie den Wetterbericht aus, erzielen damit ihre Wirkung, erfüllen eine nicht geringfügige Rolle. Dies mag trivial erschienen, doch die subtile Macht, die hier zum Tragen kommt, darf eben nicht unterschätzt werden. So konstatierte der Deutsche Wetterdienst im Sommer 2004 eine Sturmwarnung "für alle ost-deutschen Länder" oder erklärte der ZDF-Wetterfrosch Uwe Wesp einen Tag vor dem Tag der dt. Einheit 2001, dass sowohl im Süden Dtl.s als auch im Süden Ost-Deutschlands die Sonne schiene. Aha! Auf der Wetterkarte von n-tv findet sich Erfurt sehr deutlich östlich seiner wirklichen topographischen Lage, nämlich auf einer Linie zwischen Hamburg und München. Auf meine telefonische Nachfrage wurde mir dieser Fehler einerseits bestätigt, nachdem mein Gesprächspartner auf der Karte während des Telefonats nachgemessen hatte. Anschließend indes teilte er mir mit, dass ich doch froh sein könne, dass man Erfurt überhaupt auf dieser Karte platziert habe, und außerdem läge die Stadt doch angeblich "im Osten". Geändert hat man es bis zum heutigen Tag nicht!

Man könnte sicher auch abgeschwächt sagen, es fiele den Medien nur schwer, eine Gratwanderung zwischen Ostalgikern und solchen finden zu können, die sich gedanklich bereits in einer neuen Zeit wähnen, doch so einfach kann man es sich dann doch nicht machen. Die Revivalwelle wäre ein solches Scheinargument, welches indes lächerlich wirkt gegen die Realität gemachter Trends wie "Big Brother", die letztlich auch niemand wollte und die dann dem Bürger durch eine ausgeklügelte Marketingstrategie aufgezwungen wurden. Wie sagte schon Goethe: "Man hört so oft über weitverbreitete Immoralität in unserer Zeit klagen, und doch wüßte ich nicht, daß irgendeiner, der Lust hätte, moralisch zu sein, verhindert würde." Bei diesem Satz fallen mir spontan die Gesichter diverser Nachrichtensprecher und Nachttalker ein, die einem ein Gefühl von Ohnmacht erst vermitteln wollen, ohne sich gegen dieses in einer freien Minute eine Lösung einfallen lassen zu wollen.

 

II       Selbstprophetie und Ökonomie

  

Man muss hier aber auch die Frage nach dem stragetischen Moment stellen, welches die Berichterstattung der Medien beherrscht. So dürfte hinlänglich bekannt sein, dass in unserer Zeit ein neuartiges Phänomen immer stärker in den Fokus der erfolgreichen oder derer gerückt ist, die sich zu diesen auch nur allzu gern zählen möchten.

Ich spreche hier von Selbstprophetie ( auch Selbsterfüllende Prophezeiung ) oder neurolinguistischem Programmieren. Im Umfeld der Soziologen und Gesellschaftswissenschaftlern, Journalisten und Buchautoren wird man stets auf Menschen treffen, die sich der Kraft der eigenen Entschlusskraft bewusst sind und den Einfluss positiven Denkens auf Körper und Geist zu einer pseudoreligiösen Weltanschauung verklärt haben. Mir liegt nichts daran, dies zu kritisieren oder infragezustellen, obgleich ich privat diesem Treiben sehr kritisch und skeptisch gegenüberstehe. Einzig die Tatsache, dass ein solches Verhalten zu konstatieren ist, möchte ich allerdings hier meinen weiteren Ausführungen zugrunde legen.

Selbstprophetie kann nun allerdings, folgt man der Theorie, auch eine negative Auswirkung haben und Pessimismus somit unangenehme Entwicklungen forcieren.

Wenn nun eine Gruppe von Menschen willkürlich definiert wird, kann dieser – unabhängig vom momentanen Wahrheitsgehalt – eine Reihe von Attributen vorgehalten werden, welche diese aufgrund der massenpsychologischen Eigenschaften ( siehe Gustave LeBon: „Die Psychologie der Massen“ ) sukzessive annehmen wird. Nehmen wir an, die Masse A setzt sich aus unterschiedlichen Menschen mit diversen Anschauungen und nicht signifikant zuzuordnender Grundmentalität zusammen. LeBon spricht hier von ungleichartigen, namenlosen Massen. Nehmen wir ferner an, es bestünde ein Interesse an einer Demoralisierung dieser Gruppierung, welche sich selbst nicht einmal als Masse empfindet.

Wie würde man vorgehen? Bevor an eine Projektion negativer Eigenschaften gedacht werden kann, muss zunächst die Einheit der Masse auch von selbiger übernommen werden. Hierzu dienen Beschwichtigungen und die Kopplung von Sympathiebekundungen in direkter Verbindung mit der Nennung der Masse als inhärente Gesamtheit. Ebenso wichtig ist das Ritual des Wiederholens, wodurch diese neu geschaffene Masse zu einem Bestandteil des Denkens wird, jederzeit Bezüge zu ihr möglich sind und gleichmit auch eine Erwartungshaltung gegenüber diesen Bezügen hergestellt ist. Nicht zuletzt ist die Erstellung vieler reproduzierbarer Texte und zitierfähiger wissenschaftlicher Veröffentlichungen ein wesentlicher Beitrag zur Festigung des Begriffs und der Einschätzung als Masse.

Wie projiziert man nun einerseits ein negatives Bild auf diese Masse und erhält gleichzeitig deren neugeschaffenes Selbstverständnis? Man sucht zunächst nach Eigenschaften, welche die Gruppe als solche diffamieren, bestätigt dies an ausgewählten Beispielen und unterstellt gleichmit ein Trauma, welches sich soziologisch aus der Zugehörigkeit zu dieser Masse ableitet.

Werden sich die Menschen nun nicht davon distanzieren? Werden sie nicht die Zugehörigkeit infragestellen? Dies ist zwar anzunehmen, aber ebenso ist es sehr wahrscheinlich, dass es einem Teil dieser Masse durchaus gefallen wird, eine Underdogposition einzunehmen, da, wie bereits erwähnt, diese Masse ungleichartig ist.

Der diesen - ausgesuchten - Menschen eigene Pessimismus wird nun medial aufbereitet, inszeniert, transportiert und zum selbstprophetischen Grundkonsens dieser Masse und der Identifikation mit dieser Masse – welche durch oben beschriebene Verfahren induziert werden kann – durch stetes Wiederholen und mit Hilfe des journalistischen Nimbus zu einer von der Gesellschaft als solcher anerkannten Größe vereinbart.

Keineswes unabhängig hiervon ist, welche positiven Eigenschaften der Masse zu Beginn aus Beschwichtigungsgründen zuerkannt wurden, um sie zu stabilisieren. Glaubt die neu geschaffene Masse an die Sinnhaftigkeit dieser „Tugenden“, so ist es zweckmäßig sie als Sekundärtugenden einer widrigen Weltanschauung erscheinen zu lassen, welches wiederum die Diffamierung der Gruppierung stützt. Derjenige, welcher nicht an die Existenz dieser Sekundärtugenden glaubt, da er besagte Masse als solche selbst hierfür zu wenig schätzt, benötigt dieses Argument nicht, für andere ist eine Indizienkette geschaffen, welche dem Scheinzugehörigen zu dieser Masse keine Gegenargumentation gestattet, sofern er die Sekundärtugenden nicht ebenso verleugnen möchte. Hat er sich oder wurde er nicht von einem anderen Menschen seines Umfeldes bereits mit einer dieses Restbestandes positiver Eigenschaften idendifiziert?

Aufgrund sozialer Abstiegsbefürchtungen der Regionen Bremen, Hamburg, Hannover oder Schleswig – Holsteins haben Journalisten bereits vor mehr als einem Jahrzehnt per Definition die Ost – Deutschen geschaffen, aufbauend auf dem Gedanken, durch eine aufgezwungene negative Selbstprophetie eine Lethargie zu erzeugen, welche verschiedene Regionen des Landes lähmt, um einen Aufschwung in ländlichen, norddeutschen Gebieten, einer Rezession in Sachsen engegensetzen zu können, dies jederzeit durch mecklenburgische Abwanderungserscheinungen oder brandenburgische Neonazis stürzen zu können, gleichmit eine Übertragung dieser Erscheinungen auf das Land Sachsen zu realisieren.

Man begann damals zunächst mit der Schaffung des Klischees vom arbeitssamen, ehrlichen und naiven Ost – Deutschen. Nachdem man dies einer gespannten Öffentlichkeit gut verpackt verkauft hatte und die Menschen, die man Ost – Deutsche nannte, sich damit auch identifizierten, konnte man problemlos diesen Sekundärtugenden eine rechtslastige Weltanschauung überordnen, die selbige scheinbar logisch erklärte und damit auch eine tiefere Charakterisierung dieser Masse ermöglichte. Augenwischerei.

Hierzu zwingend notwenig war die Schaffung des Ostalgie – Phänomens, einer Randerscheinung, welche von „DER SPIEGEL“ und Bild – Zeitung zur Grundstimmung erklärt wurde.

Im Schach nennt man dies eine Fesselung, da man einerseits indirekt durch konkrete Vorwürfe in seinem Selbstwertgefühl getroffen, anderseits nicht umhinkam, sich als Teil dieser Gruppe zu definieren, welcher man nicht einfliehen konnte.

Doch die Schmähungen gingen weiter. Die Fixierung der Betroffenen – oder Fesselung – erlaubte dies. So wurden verschiedene Sekundärtugenden wieder aberkannt, Fleiß versus Abwanderung, Ehrlichkeit versus geistige Unflexibilität etc. Das erstrebenswerte Gefühl der Gleichheit1 wurde in Raffsucht umgedeutet. Aus einem Ziel der Aufklärung, des Humanismus wurde so die Unterstellung einer Unersättlichkeit ( Man denke an die unleidige Diskussion um den sogenanten Solidaritätsbeitrag. ), welche von der Berichterstattung nicht geduldet werden konnte.

Die Rollen waren somit verteilt und blieben es. Will man sich erklären, wie es soweit kommen konnte, hilft vielleicht ein Zitat des oben erwähnten französischen Philosophen LeBon:

„So parteilos man sich die Masse auch vorstellt, so befindet sie sich doch meistens in einem Zustand gespannter Erwartung, der die Beeinflussung begünstigt.“

Die Leichtgläubigkeit bezüglich der gesellschaftspolitischen Haltung anderer, die Übertragung von Eigenschaften und Meinungen, welche formal aus Zeitungen und TV – Medien übernommen wurden, bildeten das Grundgerüst dessen, was wir heute ost – deutsche Mentalität nennen.

Worte, wie "Unterschicht" sind daher willkommen, werden millionenfach gedruckt und so zum Sinnbild einer frustrierten Ost – Welt gedeutet. Keine schwäbischen Hartz – IV – Empfänger werden interviewt, Leipziger sind es, Menschen aus der Stadt, die sich am heftigsten gegen die Ost – Definition engagiert, sei es durch kulturelle Entfaltung, weit überdurchschnittliches Bevölkerungswachstum oder des Bau eines S - Bahn - Tunnels quer unter der Stadt hindurch.

Man will die negative Selbsteinschätzung als Grundlage einer depressionsorientierten Selbstprophetie um des Aufstiegs Hamburgs willen, wo Airbus Arbeitsplätze abbaut, hingegen in Leipzig Porsche und DHL durch umfangreiche Investitionen Standortpflege betreiben.

 

Lassen wir uns nicht durch die Unschuldsminen von Journalisten täuschen, denen die strategische Wirkung des NLP zur Ersatzreligion geworden ist.


Ein weiteres Beipiel, welches die grundsätzliche Haltung der Presse eindrucksvoll belegt, ist die Thematik der innerdeutschen Migration.

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1  Man sprach indes von „Chancengleichheit“, welche vielmehr als Sinnbild der freien Welt empfunden werden sollte, wissend oder nicht, dass Gleichheit immer die Gleichheit im Sinne der öffentlichen Wahrnehmung meinte.

2   LeBon, Gustave: Die Psychologie der Massen, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart, 1964, S. 22.

 

 

 

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